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Karpfen (allgemein)

Erstellt von dumduku am Freitag 30. November 2007

Der Karpfen – Meister aller Friedfischklassen. Er ist einer der beliebtesten Fische überhaupt, das Ziel vieler Anglerträume.

Herkunft und Verbreitung:
Der Karpfen ( Cyprinus carpio L. ) gilt seit jeher als Fruchtbarkeits-Symbol. Als solches spielte er schon in den alten europäischen Kulturen eine große rolle. Die alten Römer beispielsweise weihten den Karpfen ihrer Liebesgöttin Venus. Und die durch den schwedischen Naturforscher Carl von Linne 1758 vorgenommene wissenschaftliche Erstbenennung verwendet als Gattungsnamen das Wort Cyprinus, was eine sprachliche Nähe zur Mittelmeerinsel Zypern erkennen lässt. Des Rätsels Lösung: Auf dieser Insel lebte der griechischen Mythologie zufolge, „die Cyprische – die Liebesgöttin Aphrodite.

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Welchen lukullischen Wert die Römer und Griechen dem Karpfen damals beimaßen, ist umstritten. Zumindest die Römer – sonst begeisterte Fischesser – sollen vom Karpfen nichts gehalten haben. Dagegen schätzte Ostgotenkönig Theoderich, der uns in den Deutschen Heldensagen als Dietrich von Bern begegnet ist, an seiner Tafel den Karpfen sehr. Cassiodoros, sein Schreiber, überlieferte der Nachwelt dazu folgendes: „Der Privatmann mag essen, was ihm die Gelegenheit bietet; auf fürstliche Tafeln gehören seltene Delikatessen wie zum Beispiel der in der Donau lebende Fisch carp.“

Die europäische Verbreitung des Karpfens, als dessen Ursprungsgebiet die wärmeren Regionen Chinas, Japans, Mittel- und Kleinasiens bis zum Schwarzen Meer angesehen werden, muss unbedingt im Zusammenhang mit der Christianisierung Europas gesehen werden. Denn Fischmahlzeiten waren – welch Glück – in Fastenzeiten erlaubt. So lag es auf der Hand, dass gerade die Kirche und ihre Klöster Fischzucht und Teichwirtschaft förderten. Davon zeugen beispielsweise der wasserreiche Aischgrund in der Nähe des Bamberger Bischofssitzes oder die bei Bad Doberan von den Zisterzienser-Mönchen angelegten und noch bis in die 60er Jahre unseres Jahrhunderts genutzten Karpfenteiche. Wer sich genauer in der Landschaft umsieht, findet noch viele weitere alte Teichanlagen und andere Gewässer, in denen unsere Vorfahren den Karpfen sozusagen als Haustier gehalten haben. Aber erst in den letzten Jahrhunderten wurde der Karpfen zu dem, was er heute unbestritten ist – ein Leckerbissen, der auf vielfältige Art und Weise köstlich zubereitet werden kann – nicht nur zu Weihnachten oder Silvester.

Nach seinem Siegeszug über das europäische Festland kam der Karpfen 1514 nach England, 1831 in die USA, 1876 nach Australien, 1880 nach Kanada, 1897 nach Südafrika – und erst 1939 nach Indien.

Bei uns in Deutschland wird der Karpfen seit langem als wohl wichtiger Wirtschaftsfisch geschätzt. Die Gründe dafür sind einleuchtend: Er ist schnellwüchsig, kann sich auch an nicht immer ideale Umweltverhältnisse anpassen und er hat – nicht zu vergessen! – einen hohen Ernährungswert.

Kennzeichen:
Unsere heutigen Karpfen sind nicht mehr mit den „Urformen“ zu vergleichen. Denn heute sind die züchtungsabhängigen „modernen“ Karpfen – im Gegensatz zu ihren Stammvätern – allgemein sehr hochrückig. Der Züchtung verdanken wir auch die vier typischen Beschuppungsformen: Der Schuppenkarpfen ist ganz normal beschuppt, sein Schuppenkleid also geschlossen. Der Zeilkarpfen besitzt auf der Höhe der Seitenlinie und am Rücken eine oder mehrere Schuppenreihen. Der Spiegelkarpfen trägt nur wenige, unregelmäßige verteilte Spiegelschuppen, meistens am Rücken und am Schwanzstiel. Der Nacktkarpfen ist – wie sein Name schon verrät – nahezu schuppenlos.

Das Maul des Karpfens ist endständig, rüsselartig vorstülpbar und trägt vier Bartfäden. Abhängig vom jeweiligen Lebensraum, ist die Körperfärbung sehr unterschiedlich. Die Rückenpartie schimmert meistens graublau bis schwarzblau, die Seiten sind silbriggrau bis messingfarben. Zum Bauch hin ist der Karpfen hellgrau bis weiß, zuweilen auch leicht gelblich.

Größe und Gewicht:
Über den Karpfen und seine Maximalgröße geistern viele Legenden durch die Köpfe der Angler. Tatsache aber ist: Das Durchschnittsgewicht der gefangenen Karpfen liegt bei zwei bis drei Kilogramm. Kapitale um 30 Kilo Gewicht und 100 Zentimeter Länge herum werden zwar immer mal wieder gefangen, sind jedoch eher seltene Ausnahmen. Dennoch kann durchaus angenommen werden, dass es noch größere Karpfen gibt.
Der Karpfen ist ein überaus vorsichtiger Geselle. Das belegen auch die immer häufiger angewandten Fangtaktiken. Denn erst durch die modernen posenlosen Bodenblei-Montagen und durch neue, verfeinerte Lockmittel und Köder wurden die ganz dicken Brocken für die Angel anfällig. Karpfen, die noch vor Jahren für „Fabeltiere“ gehalten wurden, gingen plötzlich an den Haken. Die weitere Entwicklung der Technik und Taktik des Karpfenangelns wird uns sicherlich noch so manche Überraschung bescheren !

Nahrung und Fortpflanzung:
Der Karpfen ist ein typischer Grundfisch tieferer, langsam fließender und stehender Gewässer. Die meiste Zeit des Jahres sucht er seine Nahrung am Gewässerboden, also sammelt er Kleintiere und Pflanzenteile. Oft durchwühlt er dabei den Bodenschlamm. Im Hochsommer – mitunter aber bis hinein in den September – suchen Karpfen ihre Nahrung auch dicht unter der Wasseroberfläche. Häufig ist das mit nicht zu übersehenden Wasserbewegungen verbunden. Um einem immer noch recht verbreiteten Irrtum zu begegnen: Es darf nicht vermutet werden, dass Springen und lautstarke Wälzen der Karpfen an der Oberfläche mit der Aufnahme von Nahrung zusammenhängt. Beides hat andere Gründe – wobei die Motive für diese Aktivitäten noch unklar sind.

Da der Karpfen ein so genannter Warmwasserfisch ist, nimmt seine Nahrungsaufnahme mit steigenden Wassertemperaturen zu. Im Winter wird sie weitgehend eingestellt, beziehungsweise erheblich verringert. Trotzdem sind winterliche Fänge mit feinem Gerät möglich – namentlich im Bereich von Warmwassereinläufen.

Mit der natürlichen Fortpflanzung gibt es sehr oft Schwierigkeiten, weil viele unserer heimischen Karpfengewässer keine Flachwasserbereiche haben, die sich zur Laichreife genügend erwärmen. Denn die endgültige Reife und Ablage des Laiches erfolgt nur, wenn die Wassertemperatur über einen längeren Zeitraum hinweg mehr als 18 Grad beträgt. Ist diese Temperatur vorhanden, legt ein Rogner bis zu 700 000 Eier ab, aus denen schon nach drei bis acht Tagen ( abhängig wiederum von der Temperatur ) die Brut schlüpft.

Standorte und Lebensweise:
Karpfen sind Schwarmfische, die innerhalb eines bestimmten Gewässerabschnittes „pendeln“. Sie ziehen bodennah über ihre Weidgründe. Oft finden wir sie an der oberen Scharkante, denn hier ist das tierische und pflanzliche Nahrungsangebot meistens besonders reichhaltig. Ebenfalls halten sie sich gern zwischen Wasserpflanzenfeldern auf. Der Grund: Wenn im freien Wasser plötzlich Gefahr droht, können sie sofort ins deckungsreiche Pflanzendickicht entweichen. Auch große, tiefe Drehbereiche langsamer fließender Gewässer gelten stets als karpfenverdächtig.

Karpfen sind außerordentlich scheu und vorsichtig. Deshalb werden die Heimlichtuer in vielen Gewässern manchmal gar nicht bemerkt.

Köder und Fang:
Hierüber wurden schon viele Bücher geschrieben, denn der Karpfen-Fang gilt als die Hohe Schule des Grundangelns. Deshalb hier nur soviel:
Das traditionelle Karpfengerät – bestehend aus mittellanger Grundrute, 30er bis 35er Schnur und einer stabilen Stationärrolle ( mit Freilauf ) – ist zwar nach wie vor da, doch hat sich mittlerweile eine regelrechte Technisierung des Karpfenangelns vollzogen. Modernste Materialien brachten spezielle Karpfenruten hervor, Schnüre wurden entwickelt, die besondere Dehnungseigenschaften haben;  haken, Bleie, vielerlei Zubehör füllen ganze Kataloge so mancher Gerätehändler. Um die Technik- und Taktikentwicklung für den Karpfenfang hat sich beispielsweise der Gerätespezialist „Jürgen Paul“ besonders verdient gemacht.

Eine Methode und ein Köder aber vor allem sind es, die in den letzten Jahren einen Siegeszug ohnegleichen angetreten haben: Die Harrmethode und der Boilie-Köder!

Karpfen müssen gezielt angefüttert werden. Nur so können sie lange am Futterplatz gehalten werden. Ob zum Anfüttern Mais, gekochte Kartoffeln, gequollener Weizen, Boilies oder andere Leckereien verwendet werden, ist Erfahrungs- und wohl auch Ermessenssache jedes Anglers. Nichtselten betört ein bestimmtes Futter die Fische in einem Gewässer gar nicht, während es in einem anderen die Karpfen geradezu leichtsinnig an die Angel gehen lässt. Ebenso ist es mit den Ködern.

Deshalb eine goldene Regel zum Schluss:
Wer regelmäßig Karpfen fangen will, sollte sich zuvor genau mit diesem wehrhaften Fisch, seinen Lebensräumen und Gewohnheiten beschäftigen, denn gute Karpfen verschenken sich nicht……

dumduku

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Ein Gedanke,Anregung,Forderung die ich nur Unterstützen kann. Angeln, verbunden damit das Erleben in der Natur,diese zu Schätzen und zu erhalten war immer schon eine Grundphilosophie der meisten Angler. Auch das es der breiten Masse der Bevölkerung zugänglich gemacht,ermöglicht werden sollte. Unabhängig vom jeweiligen schlechter oder besser gefüllten geldbeutel. Bei Kindern,Jugendlichen die meist eh wenig Einfluss darauf  haben erst Recht. Von daher kann man nur solche Vorschläge unterstützen und sollte Sie auch der breiten Masse ermöglichen. Selbst auf das Risiko hin,finanzielle Einbußen zu haben.Na und.Die eingebundenen Kinder von heute,sind die Pfleger und Heger der Gewässer und Natur von Morgen. Viel zu oft bleibe das Angelerlebnis in der Natur für viele Kinder und Jugendliche ein unbekanntes Abenteuer, weil es am Geld für den Fischereischein und die Fischereiabgabe fehle. Dies müsste geändert werden. "Eine Möglichkeit wäre es, den Kindern und Jugendlichen nach Ablegen des Fischereischeins das Angeln an den Binnen- und Küstengewässern kostenlos zu ermöglichen", sagte der Minister heute im Schweriner Landtag. Den Kritikern hielt er entgegen, dass jedes Kind, das seine Leidenschaft für dieses Hobby entdeckt, ein potenzieller Angler von morgen sei, der sich in einem Anglerverein engagiert, den sorgsamen Umgang mit dem Fisch erlernt und später dann auch Abgaben und Beiträge entrichte. Hier zum Artikel. http://www.mvregio.de/nachrichten_region/247779.html